Tagestip
Heute | 18.25 Uhr
Vor 15 Jahren verließ Tunesiens Diktator Zine el-Abidine Ben Ali sein Land, nach 23 langen Jahren an der Macht. Sein Abgang war die unmittelbare Folge anhaltender Proteste, die das Regime nicht mehr eindämmen konnte. Mit der Selbstverbrennung des Gemüsehändlers Mohamed Bouazizi in der Stadt Sidi Bouzid hatte all das im Dezember 2010 begonnen. Was folgte, war eine Reihe von anfänglich erfolgreichen Aufständen in der arabischen Welt. Der sogenannte Arabische Frühling hatte begonnen. Tunesien bescherte er eine der freiheitlichsten Verfassungen der arabischen Welt. Was ist dort, wo alles begann, davon geblieben?
Morgen | 11.05 Uhr
Marshall Sahlins gehört neben Claude Levi-Strauss und Marcel Mauss zu den maßgebenden Anthropologen des 20. Jahrhunderts. In seinem 1972 erschienenen Essay "Die ursprüngliche Wohlstandsgesellschaft", der nun erstmals auf Deutsch vorliegt, unternimmt er eine grundlegende Revision des westlich-ethnozentrischen Blicks auf Jäger- und Sammlergesellschaften. Ausgangspunkt seiner Kritik ist die Beobachtung, dass diese Gesellschaften meist aus der Perspektive moderner Industrie- und Agrargesellschaften beurteilt wurden - häufig zu einem Zeitpunkt, als sie bereits durch Kolonialismus, Vertreibung und die Einengung auf marginale Lebensräume tiefgreifend verändert waren.
Sahlins argumentiert, dass Jager und Sammlergesellschaften keineswegs in permanenter Not lebten. Im Gegenteil: Sie verfügten über ausreichend Nahrung. Und da sie nicht an der Anhäufung von Gütern interessiert waren, also wenig materielle Bedürfnisse hatten, mussten sie nur wenige Stunden pro Woche arbeiten und es blieb ihnen viel Zeit für Muße.
Besonders provokant war Sahlins' Infragestellung der neolithischen Revolution, die in der Anthropologie lange als zivilisatorischer "großer Sprung nach vorn" gefeiert wurde. Er zeigt, dass der Übergang zu Ackerbau und Sesshaftigkeit vielfach mit härterer Arbeit, geringerer Lebensqualität, Hungersnöten und dem Beginn struktureller Ungleichheit einherging.
Sahlins argumentiert, dass Jager und Sammlergesellschaften keineswegs in permanenter Not lebten. Im Gegenteil: Sie verfügten über ausreichend Nahrung. Und da sie nicht an der Anhäufung von Gütern interessiert waren, also wenig materielle Bedürfnisse hatten, mussten sie nur wenige Stunden pro Woche arbeiten und es blieb ihnen viel Zeit für Muße.
Besonders provokant war Sahlins' Infragestellung der neolithischen Revolution, die in der Anthropologie lange als zivilisatorischer "großer Sprung nach vorn" gefeiert wurde. Er zeigt, dass der Übergang zu Ackerbau und Sesshaftigkeit vielfach mit härterer Arbeit, geringerer Lebensqualität, Hungersnöten und dem Beginn struktureller Ungleichheit einherging.
24.01. | 9.05 Uhr
Alfred Breier recherchiert vor Ort und stößt auf Angst: Nur an geheimen Orten erzählen Fischer von Zwangsarbeit, Lohnknechtschaft, verschwundenen Kollegen. Polizisten, die gegen korrupte Militärs und Politiker ermitteln, werden ermordet oder flüchten ins Ausland. Staatliche Inspekteure klagen dagegen über "vom Westen aufgezwungene Maßnahmen", Kapitäne über teure Überwachungstechnik. Die USA haben Thailand inzwischen auf ihre Beobachtungsliste für Menschenhandel gesetzt. Aber die Europäische Kommission begrüßt die Regierung als "neuen engagierten Partner im Kampf gegen illegale Fischerei". - Essen wir noch immer Fisch, der von Arbeitssklaven gefangen wurde?