Tagestip


Heute | 19.05 Uhr

KI als Erlösung oder Untergang, als Fortschritt oder Verlust der Seele. Technologie wird gerne als Projektionsfläche für Hoffnungen, Ängste und für alte religiöse und philosophische Deutungsmuster genutzt.
Wie Fortschritt mit Erlösungsversprechen verknüpft wird, damit befasst sich auch Wolfgang Palaver. Palaver ist langjähriger Peter Thiel-Vertrauter, Sozialethiker und Theologe und Kenner des französischen Anthropologen und Literatur- und Kulturtheoretikers René Girard. Girard hat mit seiner Theorie des mimetischen Begehrens erklärt, wie Nachahmung, Rivalität und Gewalt Gesellschaften prägen und wie religiöse Erzählungen diese Dynamiken sichtbar machen. Und als langjähriger Professor an der Universität Stanford prägte Girard eine Generation von Studierenden, darunter wiederum Peter Thiel, der sich bis heute auf ihn beruft.
Sarah Kriesche hat für matrix mit Wolfgang Palaver über Technik als Heilsversprechen gesprochen.

Morgen | 9.05 Uhr

Der Sender Auf1 fürchtet, wenn jetzt keine "Corona-Tribunale" die "Lügen endlich öffentlich zum Einsturz bringen", dann drohe "die nächste Pandemie". Die "nächsten Anschläge auf uns" seien "in Vorbereitung". Compact warnt: Die Menschen in der "BRD-Diktatur … immer unfreier" und zu "Vasallen Brüssels". Nius meldet: Die "Grünen wollen die Freiheit vernichten" und die Berliner CDU "verwandelt die Hauptstadt in ein Aufmarschgebiet des islamistischen Terrorismus".
Jeder dieser Sätze ist von der Meinungsfreiheit gedeckt. Doch Äußerungen müssen nicht illegal sein, um demokratiezersetzend zu sein. Durch gezielte Diskreditierung geht liberalen Demokratien heute die Akzeptanz verloren. Die Kampagne von "X"-Eigner Elon Musk für die Wiederwahl von Donald Trump etwa zeigte das. Lässt man die Dinge einfach laufen, wenden sich absehbar immer mehr Menschen vom liberal-demokratischen Konsens ab. Aber die Grenze zwischen Meinungen, die man auszuhalten hat, und Hetze, gegen die eine Demokratie sich besser heute wehrt, um morgen noch zu existieren, ist kaum scharf zu ziehen. Und wenn Demokratien gegen Äußerungen vorgehen, die sie selbst nicht verboten haben, untergraben sie womöglich ihre Legitimität. Was also tun?

Gedanken
14.06. | 9.05 Uhr

Bevor sich Petra Trautwein als Lerncoach selbständig machte, war sie zwei Jahrzehnte in großen Unternehmen in der Presseabteilung und im Marketing tätig. Davor hatte die Medien- und Familienexpertin Anglistik studiert, wollte aber nie unterrichten. Als Mutter von drei Töchtern war sie jedoch stets mit den schulischen Anforderungen an ihre Kinder konfrontiert und kam zur Überzeugung: "Leider sind wir so eine Gesellschaft, in der sehr viel bewertet wird und man mehr auf Fehlersuche geht anstatt auf Potenzialentdeckungsreise." Das Schulsystem kann man nicht so schnell ändern, meint Petra Trautwein, allerdings kann man Kinder zu Selbstvertrauen und den richtigen Strategien verhelfen, um leichter zu lernen. Sie zeigt auf, wie man Kinder unterstützen kann, damit sie nicht den Spaß am Lernen verlieren.
In ihrem aktuellen Buch "Handyfrei - Wie Eltern ihren Kindern einen gesunden Umgang mit Handy und Medien beibringen" kommt Petra Trautwein zum Schluss: "Wenn das Smartphone mehr Einfluss auf dein Kind hat als du, ist es Zeit zu handeln." Als Coachingexpertin beschäftigt sich Petra Trautwein mit dem Thema Medienerziehung. Sie setzt sich damit auseinander, dass fast 90% aller Schulprobleme auf Mediennutzung zurückgehen, was sich durchaus vermeiden ließe. Schon allein den richtigen Zeitpunkt zu wählen, wann Kinder mit der Handynutzung beginnen dürfen, ist ihrer Meinung nach entscheidend: "Ein vernünftiges Alter, ein Handy zu bekommen, ist für mich 14. 16 gefällt mir noch besser, aber das ist ein bisschen unrealistisch, das gebe ich zu. Das heißt aber nicht, dass man mit 14 dann unbegrenzte Smartphone-Nutzung hat, sondern natürlich mit Medienzeiten, natürlich mit Kontrolle."
Trautwein erklärt im Buch, in Podcasts, in Coachings, die direkten Zusammenhänge zwischen Mediennutzung & Symptomen wie ADHS, Wutanfällen, Konzentrationsschwäche, Einsamkeit und Schlafschwierigkeiten und wie klare Handy-Regeln die Lebensqualität in Familien verbessern könnten. Sie plädiert für handyfreie Zonen und Offline-Inseln, um suchtähnlichem Verhalten vorzubeugen. Wichtig ist es in jedem Fall, so Petra Trautwein, den Kindern einen selbstbestimmten Umgang mit Social Media vorzuleben, denn das richtige Maß zu finden, ist auch für Erwachsene nicht immer ganz leicht. Kinder brauchen Zuwendung, wollen gesehen werden.
"Für mich ist ganz, ganz wichtig, ist das Kind integriert in seine Umgebung? Hat es Freunde? Geht es in Sportvereine? Trifft es andere Kinder? Geht es raus in die Natur zum Spielen oder liegt es immer nur auf seinem Bett und hat diesen Bildschirm in der Hand? Natürlich sind auch die häuslichen Pflichten in der Familie wichtig. Gibt es Austausch in der Familie? Kümmert es sich auch mal um die Oma oder um die Geschwisterkinder oder um wen auch immer?"